Unter diesem Leitwort hat gerade der 104. Katholikentag in Würzburg stattgefunden. Hab Mut, steh auf! Das sind Worte aus dem Markusevangelium (Mk 10,49). Diese Worte werden dem blinden Bartimäus zugesprochen, der als Bettler am Straßenrand sitzt. Er hatte nach Jesus gerufen, doch die erste Reaktion der Leute war es ihn ruhig zu stellen. Die lauten Rufe des Bettlers stören, ja sie nerven richtig. Viele befahlen ihm zu schweigen. Doch Jesus sieht das anders. Er hat Bartimäus gehört und lässt ihn rufen. Die ihn gerade noch zum Schweigen bringen wollten sagen nun: Hab Mut, steh auf!
Bei der Eröffnung des 104. Katholikentages sprach die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp dieses Wort allen Anwesenden zu: Hab Mut, steh auf! Und dann erklärte sie, wofür wir heute aufstehen sollten. Ihre Ausführung habe ich hier leicht gekürzt:
Aufstehen müssen wir
für Demokratie,
für Rechtstaatlichkeit und Vielfalt in unserem Land,
für ein starkes vereintes Europa,
für die Würde und Rechte eines jeden Menschen,
für Solidarität mit Armen, Schutzbedürftigen und Marginalisierten, denn jedes Leben ist wertvoll und schützenswert, für mehr Beteiligung, für glaubwürdige Teilhabe und für echte Synodalität in unserer Kirche.
Frank-Walter Steinmeier meinte, dass der Katholikentag mit seinem Motto genau zur rechten Zeit gekommen ist. Hab Mut, steh auf! Das ist ein Wort gegen Resignation und Ohnmacht. Der Bundespräsident sagte: Gerade Christen müssen aufstehen gegen eine täglich neu befeuerte Weltuntergangsstimmung … Eine Welt ohne Hoffnung und ohne Zuversicht, das ist nicht unsere Welt, das ist nicht die Welt von Christen.
Hab Mut, steh auf! Das ist nicht immer leicht. Sonst bräuchte es ja keinen Mut dazu. Aber es ist möglich!
Bartimäus stand auf, obwohl er noch nicht sehen konnte, ohne zu wissen wie genau es weitergehen würde und doch voll Vertrauen und Zuversicht.
Franziska Shumba, Gemeindereferentin
Geistliches Wort Pfarrblatt 5/26
Hauptsache „schnell“?
Uns -Menschen im Westen- werfen Ernährungswissenschaftler nicht nur vor, zu heiß zu essen und zu kalt zu trinken, sondern auch zu schnell zu essen; was für die Gesundheit alles andere als ratsam ist.
Doch dieser Ernährungsbereich ist nur ein Beispiel dafür, was aus dem Menschen geworden ist im Laufe der Zeit, angesichts der Zeit: Schnelligkeit und Kürze sind heute die wichtigsten Tugenden, und an Argumenten dafür mangelt es nicht: vom wirtschaftlichen „Time is money“ (B. Franlin, 1748) über das olympische „Schneller, höher, stärker/weiter“, lat. „Citius, altius, fortius“ (P. de Coubertin, 1894) bis hin zum heutigen Menschen, der schneller rennt als sein eigener Schatten. Hauptsache schnell, manchmal auf Kosten der Tiefe, der Würde, der Qualität. Selbst bei der Schriftlesung im Gottesdienst, wird fast automatisch die Kurzfassung bevorzugt, abgesehen vom Inhalt der Botschaft. Ruhe, Pause, Vertiefung, ist Zeitverschwendung.
Verstehen wir uns gut: das heißt nicht, dass man alles unnötig in die Länge ziehen sollte: wir kennen leider die Auswüchse -den Missbrauch- bestimmter Ansprachen bei Darbietungen, Feiern… In der Kürze liegt die Würze, dies bestreitet keiner. Die Frage ist: sollen wir die Zeit als einziges Bewertungskriterium und die Qualität einer Darbietung, einer Feier allein an ihrer Länge (Entschuldigung: ihrer Kürze) messen?
Die Ausrede, es liege nur daran, dass die hiesige Mentalität völlig anders ist als anderswo, diese Behauptung ist für mich durchaus fragwürdig, denn mir scheint, dass man -selbst hier- in manchen Situationen gar nicht mehr auf die Zeit achtet. Wie lange darf (oder darf nicht) eine Geburtstagsfeier dauern? Oder die Feier einer Erstkommunion (nach und außerhalb der Messe)? Wenn ein Fußballspiel (mit all den VAR-Konsultationen) in die Verlängerung oder sogar bis zum Elfmeterschießen geht, wie viele verlassen dann das Stadion oder schalten den Bildschirm aus? Ist es nicht vielmehr eine Frage des Interesses, das man hat, oder des Wertes, den man dem Ereignis beimisst? Man kann nicht lieben und dauernd auf die Uhr schauen, sagte Marthe Robin. Und genau an diesem Punkt sollten wir uns selbst hinterfragen. Die Zeit ist kostbar, ja; aber nicht auf Kosten der Ewigkeit.
Ende der 1990er Jahre, in Norditalien. Das Jubiläum eines Stadtpfarrers fiel in jenem Jahr mit dem Fronleichnamsfest zusammen. Es ist ein Fest der Superlative: Chor und Orchester, Blaskapelle, eine neue, ganz aus Gold gefertigte Monstranz. Als es mit der Prozession losgeht, bemerkt ein kleiner Messdiener etwas Seltsames und sagt zum Pfarrer: „Herr Pfarrer, in der Monstranz ist keine Hostie, Sie haben keine Hostie hineingelegt“. Und der Pfarrer: „Halte den Mund, schnell weiter in Prozession; man kann doch nicht an alles denken. Wir müssen Zeit gewinnen“.
Wir müssen Zeit gewinnen. Man muss Zeit sparen: wofür, eigentlich, wozu?
Hauptsache schnell (vorbei). Und?
Faustin Nyombayire, Kooperator
Geistliches Wort Pfarrblatt 4/26
LIEBE WILL ICH, NICHT OPFER
„Jesus bringt sich durch den Kreuzestod als Opfer dar, um dadurch Gott zu versöhnen“ Als Jugendlicher konnte ich zwar mit diesen und ähnlichen Formulierungen wenig anfangen – aber wirklich gestört haben sie mich auch nicht. Es war einfach nicht wichtig. Viel wichtiger war das Vorbild und die christliche Lebenspraxis in unserer Familie und die Gemeinschaft, die ich in der Jugendarbeit erlebt habe. Da nimmt man dann manches hin…
Und dann gab es Zeiten, da haben Kirche und Glauben einfach nur eine Nebenrolle gespielt. In meiner Bundeswehrzeit habe ich begonnen, mich zum ersten Mal selbst mit der Bibel auseinanderzusetzen – ehrlich gesagt zunächst aus Langeweile. Ich habe die Evangelien gelesen einfach so – das Lukas- und das Markusevangelium. Und irgendwie war das gut, dass ich so begonnen habe: Das begann mich zu faszinieren – und bis heute habe ich das Gefühl, die Schrift hat irgendwie direkt zu mir gesprochen – unverstellt von theologischen Lehrformeln und Gedankenmodellen.
Die gab es dann, nach meinem Entschluss, Theologie zu studieren. Und wurde für mich zum Problem: „Jesus bringt sich durch den Kreuzestod als Opfer dar, um dadurch Gott zu versöhnen“. Die „Satisfaktionslehre (Satisfaktion = Genugtuung, Wiederherstellung der Ehre) des Anselm von Canterbury (1033 bis 1109): Durch die Sünde sei der Frieden zwischen Gott und Mensch gestört und Gott schwer beleidigt. Diese unendliche Beleidigung kann nur durch eine unendliche Satisfaktion wieder gut gemacht werden. Jesus Christus, als der „sündlose Gottmensch“ leistet also durch seine freiwillige Lebenshingabe die erforderliche Satisfaktion.... und versöhnt so Gott mit den Menschen…
Alles in mir hat sich gegen derartige Gedankengänge gesträubt: „Ein beleidigter Gott, der das Opfer des Gerechten zur Genugtuung will oder braucht?! Aber wenn das Teil der christlichen Lehre ist, kann ich sie doch nicht ablehnen (das wäre überheblich und oberflächlich)… Ich muss doch zu verstehen versuchen…“
Dann bekam ich den Text des Schweizer Pfarrers und Schriftstellers Kurt Marti in die Hand – und der war für mich so entlastend: „Da hat einer die gleichen Fragen wie ich…“
Nein, kein Opferritus, kein Rechts- oder sonstiger Handel!
Vergebung, schnörkellos, freudig – Gnade, gratis!
(Auszüge aus: Kurt Marti – Das Kreuz)
Kurt Marti hat mir mit seinem Text geholfen „den Knoten zu lösen“
Ich begann zu verstehen, dass in den Formulierungen wie die des Anselm v. Canterbury nicht um den christlichen Glauben an sich geht, sondern um ein theologisches Denkmodel. Diese mittelalterliche Theorie hatte zur Zeit Anselms ihre Logik und ihre Bedeutung. Deshalb ist sie nicht einfach Unsinn, aber für uns heute, mit unserem historischen Erfahrungshintergrund, ist sie kaum noch nachzuvollziehen (und doch sind unsere liturgischen Bücher voll von derartigen Formulierungen).
Später habe ich heutige theologische Konzepte kennengelernt. Aber durch Kurt Marti habe ich erste, entscheidende Spuren gefunden:
Wir Christen verehren den leidenden Menschen, den leidenden Christus, nicht das Kreuz. Gott hat in Jesus Christus den Teufelskreis des Bösen durchbrochen – Gegen den archaischen Glauben, dass es der Opferung Unschuldiger bedürfe, um die Eintracht der Gemeinschaft wieder herzustellen. Und dass man gewaltsam die Gewalt überwinden könnte. Jesus beendet die Spirale aus Gewalt und Rache und neuer Gewalt – schaut in unsere Welt, wie hoch aktuell: Wir Menschen sollen nicht die Gewalt, sondern ihn, den machtlosen Messias nachleben. Gott hält sich eben nicht heraus - in Jesus stellt er sich selbst auf die Seite der Leidenden, der Gewaltlosen, der wehrlos Liebenden. Jesus, der noch im Sterben liebt: den Schächer neben ihm, die Mutter, den Jünger und Dich und mich.
Von Herzen wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.
Ekkehard Baumgartner, stellv. Leitender Pfarrer
Geistliches Wort Pfarrblatt 3/26
Was mir wichtig ist:
Liebe Leserin, lieber Leser,
vor kurzem war ich beim Friseur. Ich saß gemütlich im Ledersessel, genoss das Haareschneiden und schaute entspannt um mich herum. Da betraten nacheinander ein Mann und eine Frau den Friseurladen, vermutlich weitere Kunden. Beide begrüßten die Anwesenden respektvoll mit „As-salamu alaykum“. Mittlerweile verstehen die meisten dank der jüngsten Ereignisse in der Welt diese Begrüßung.
Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie ich das nächste Mal beim Bäcker die Verkäuferin statt mit „Guten Tag!” mit einem überzeugten „Der Friede sei mit dir!” begrüße. Wäre ich dazu in der Lage? Frieden zu haben, wäre doch eine plausible Voraussetzung für einen guten Tag.
Ja, die Kraft und Faszination von Worten ist beeindruckend. Neulich habe ich mich dabei ertappt, wie ich, nachdem das Evangelium verlesen worden war, nicht gespannt auf die darauffolgende Predigt war, sondern auf die Eröffnungsworte des Priesters: Würde er sich an die Gemeinde mit der Formel „Liebe Schwestern, liebe Brüder“ wenden oder die Mitfeiernden in umgekehrter Reihenfolge ansprechen? Für alles gibt es eine Begründung. Franziskus von Assisi soll Gott darum gebeten haben, ihn zu einem Werkzeug seines Friedens zu machen. Er möge ihn deswegen trachten lassen, nicht, dass er (Franziskus) verstanden werde, sondern dass er verstehe.
Die begonnene Bußzeit bietet geistliche Chancen. Laut den Evangelisten Matthäus und Lukas hat Jesus in der Wüste vierzig Tage und vierzig Nächte lang gefastet. Die Verbindung der Vorbereitungszeit auf Ostern mit dem Begriff „Buße” eröffnet Möglichkeiten. Die Macht des Magens, Gefühle zu steuern und das Benehmen zu beeinflussen, sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Sogar die Liebe geht durch den Magen. In der letzten Zeit waren viele von uns närrisch unterwegs. Unter bestimmten Umständen tut das sogar gut. So gab der Apostel Paulus zu, dass er als Narr um Christi willen gestanden habe. Aber hat sich Jesus nicht auch närrisch verhalten? Auf dem Ölberg und dann am Kreuz fühlte er sich von seinem Vater verlassen und wusste nicht mehr weiter. Dennoch beendete er sein Leben mit den Worten: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Das ist doch die Torheit schlechthin. Oder … das Geheimnis des Glaubens.Liebe Schwester, lieber Bruder im Glauben, der Friede des Auferstandenen sei mit Dir!
Lucian Farcas, Pastoralassistent
Geistliches Wort Pfarrblatt 2/26
Zukunft der Jugend in der Katholischen Kirchengemeinde Bodensee-Hegau
Mit dem 1. Januar 2026 fiel nicht nur der Startschuss für die Kirchengemeinde Bodensee-Hegau, sondern auch für mich persönlich als Jugendreferentin in der neu gegründeten Kirchengemeinde.
Als Jugendreferentin unterstütze ich die kirchliche Jugend(verbands)arbeit in der Kirchengemeinde Bodensee-Hegau und pfarreiübergreifend im Gebiet des Jugendpastoralen Teams Bodensee-Hohenzollern. Ich trage Verantwortung für die Qualifizierung, Vernetzung und Weiterentwicklung der Jugendpastoral vor Ort und darüber hinaus. Ich darf junge Menschen fordern und fördern in der Beziehung mit sich selbst, mit anderen und mit Gott, ihre unverwechselbare Identität zu finden und so fähig zu werden, als Christinnen und Christen in Kirche und Gesellschaft zu handeln (vgl.: Leitsatz der Kirchlichen Jugendarbeit in der Erzdiözese Freiburg).
Dabei sind mir folgende Leitlinien besonders wichtig:
„Jugendpastoral gestaltet sich für, mit und durch junge Menschen.“
Es ist die Aufgabe der ganzen Kirche, jungen Menschen Raum zu geben und ein Klima zu schaffen, in dem sie sich willkommen und ernst genommen fühlen. Das gilt auch und insbesondere für uns als Kirchengemeinde vor Ort. Dabei liegt mir das „MIT“ besonders am Herzen: Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wo wir die Perspektive der Jugend strukturell einbinden, wie wir Ideen und Wünschen junger Menschen regelmäßig Gehör verschaffen und gemeinsam Kirche als „Wohlfühlort“ junger Menschen gestalten können.
Ich bin überzeugt, dass die gesamte Gemeinde davon profitieren wird, denn Fragen und Ideen von Kindern und Jugendlichen sind wichtig, können uns als Pfarrei neue Perspektiven eröffnen und uns helfen den Erneuerungsprozess zukunftsorientiert und erfolgreich zu gestalten.
„Jugendpastoral richtet sich an junge Menschen aus allen Lebenswelten.“
Der Auftrag der Jugendpastoral gilt allen Jugendlichen ohne Ausnahme. Explizit gilt der Auftrag auch in Bezug auf Personen, die von Jugendarmut, Migration oder Gewalt betroffen sind. Daher ist es mir wichtig, aktiv darüber nachzudenken, wie Jugendliche aus unterschiedlichen Lebenswelten beteiligt und in die Kirchengemeinde eingebunden werden können mit dem Ziel für möglichst viele Jugendliche attraktive Orte und Formen der Jugendarbeit anzubieten.
„Kirche dient dem jungen Menschen, indem sie ihm hilft sich in einer Weise selbst zu verwirklichen, die an Jesus Christus Maß nimmt (Phil, 2,6-11).“
Jesus Christus als „Ressource jugendlichen Lebensglücks“ ist das Alleinstellungsmerkmal kirchlicher Jugendarbeit. Kirche kann Halt geben, Kirche kann Sinn stiften und dabei helfen dem Leben eine Bedeutung zu geben. Kirchliche Jugendarbeit ist daher meiner Ansicht nach in besonderer Weise befähigt bei einer wertorientierten Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen mitzuwirken und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement hinzuführen. Diese Chance zu nutzen ist für mich als Jugendreferentin von besonderer Bedeutung.
Ich hoffe, dass es mir gelingt, dieser bedeutungsvollen Aufgabe gerecht zu werden und würde mich freuen, wenn wir gemeinsam in der Jugend nicht nur eine Zielgruppe, sondern eine tragende Säule unserer Kirchengemeinde sehen, die durch ihren Glauben und ihre Begeisterung die gesamte Gemeinschaft inspirieren kann.
Anja Marosits, Jugendreferentin
Geistliches Wort Pfarrblatt 1/26
Kleinräumig großräumig in Teams vernetzt: Unter diesem Motto haben sich die Verantwortlichen vor einigen Jahren auf den Weg gemacht Kirche hier am See und im Hegau neu zu gestalten. Ich durfte als damaliger Dekanatsreferent von außen beobachten, was sich hier entwickelt und nun sind wir gemeinsam mit Beginn des Jahres als Kirchengemeinde Bodensee- Hegau neu gestar-tet. Wir sechs (Seelsorgeeinheiten) sind nun eins. Als Symbol für den Neustart ziert ein neues Logo bzw. eine neue Wortmarke dieses Pfarrblatt. Verschiedenfarbige Punkte sind unterwegs und ergeben doch zusammen eine dynamische Bewegung. Wellen, Hügel und Berge symbolisieren unsere Heimat (wenn ich das als „Angeschwemmter“, sagen darf). Den Ort, das Gebiet, in dem wir da sein und wirksam sein wollen, mit den Menschen und für die Menschen, die hier leben. Das Logo symbolisiert für mich: Wir brechen gemeinsam auf eine Zukunft, die wir noch nicht kennen, aber die wir gemeinsam gestalten wollen. Für manche sind diese Punkte Konfetti, für mich drücken sie Lebendigkeit und Energie aus. Diese Energie habe ich gespürt in den Anfangsrunden der ersten Sitzungen des Pfarreirates, obwohl eine Konstituierung, die Wahl der verschiedenen Gremien und die Verabschiedung des Haushaltes sicher notwendig aber nicht unbedingt vergnü-gungssteuerpflichtige Themen sind. Und ich habe diese Energie und Dynamik bei der Klausurtagung des Seelsorgeteams Anfang Dezember gespürt. Wir sind in aller Unterschiedlichkeit gemeinsam unterwegs und lernen langsam ein Team zu werden, in dem nicht die Maxime gilt TEAM = Toll ein anderer macht’s, sondern in dem Solidarität, das aufeinander Hören und sich gegenseitig Wahrnehmen unerlässliche Haltungen sind für ein gutes Zusammenspiel. „Ich habe Lust auf Teamarbeit“, war ein O-Ton auf der Klausurtagung. Wenn sich in den nächsten Wochen sogenannte Kompetenzteams zu verschiedenen Themenfeldern bilden (wie Erstkommunion, Jugend, Caritas, Liturgie, Taufe, Firmung um nur einige zu nennen), dann hoffen wir auf viele motivierte Ehrenamtliche, die diese Teams mit ihrer Expertise und Erfahrung bereichern. Wir sind und waren noch nie eine Hauptberuflichenkirche und werden das in Zukunft auch nicht sein. Wir sind Kirche gemeinsam oder gar nicht, weil wir einen gemeinsamen Auftrag für die Welt und in der Welt haben. Geistliches Wort Pfarrblatt St. Zeno Radolfzell 3 Das II. Vatikanische Konzil formulierte es vor über 60 Jahren so: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“ (Gau-dium et Spes 1). Jesus formulierte es einfacher und direkter in der Frage: „Was willst du, dass ich dir tue?“(Lk18,41). Das philippinische Pastoralinstitut „Bukal ng Tipan“ hat ihre komplette Pastoralkonzeption auf dieser Frage aufgebaut, und erlebt als katholi-sche Kirche einen wahren Aufbruch, wie Kolleg*innen von den pastoralen Bildungsrei-sen dorthin berichten. So habe ich für mich auch einen Vorsatz und einen Wunsch für 2026 formuliert. Mein Vorsatz: Ich will versuchen noch aufmerksamer für die Bedürf-nisse der Menschen um mich herum zu sein Mein Wunsch für 2026: Reihen Sie sich ein in den bunten Punktereigen – jede und jeder so wie sie/er es kann und vermag - und lassen Sie uns gemeinsam Kirche in ihrer ganzen katholischen Viel-falt gestalten. Und vielleicht können wir dann etwas spüren von dem was der Beter / die Beterin in Psalm 30 erfahren hat. „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt.“ Ralph Haas, leitender Referent
Geistliches Wort Pfarrblatt 12/25
Advent und Weihnachten. Ein bewegender Jahreswechsel
Sechs Kirchengemeinden werden EINE. Ab dem 1. Januar sind wir sechs EINS.
Der Name ist dann Römisch-katholische Kirchengemeinde Bodensee-Hegau und als Pfarrei heißen wir St. Zeno Radolfzell.
Es war ein intensiver und gefühlt langer Prozess. Diese Veränderung wurde intensiv vorbereitet. Entscheidungen in unterschiedlichen Gremien sind getroffen und werden tragen. Der Pfarreirat ist gewählt und wird am 1. Januar 2026 im Amt sein. Doch mit dem 1. Januar ist nicht alles anders.
Weiterhin gibt es die verlässlichen Büros und Ansprechpersonen vor Ort. Gottesdienste sind geplant und die Veröffentlichungen der Zeiten und Orte, Informationen über das nähere Umfeld sind zunächst wie gewohnt.
Kleinräumig
großräumig
vernetzt
Das haben wir auch in der Gründungsvereinbarung als Schlagworte geschrieben. In dieser Gemeinschaft der bisherigen sechs Kirchengemeinden und 38 Pfarrgemeinden werden wir unterwegs sein als Kirche vor Ort. Ich hoffe, dass wir einander im Glauben stärken und einander unterstützen, dass wir vor Ort als Zeugen der Frohen Botschaft leben und für andere dasein können.
Wir lernen im Kernteam+ (Leitender Pfarrer, Stellvertretender leitender Pfarrer, Leitender Referent, Ökonom und Stellvertretender Ökonom) als Team zusammenzuarbeiten. So ein Teamformat gab es bisher nicht. Auch das Team aller im Pastoralen Beruf ist anders unterwegs als noch vor Jahren. Eine neue Jugendreferentin ist zuständig für die Jugendarbeit und Ansprechpartnerin für die Jugendlichen. Die Mitarbeitenden in den Büros koordinieren ihre Arbeit und Aufgaben. Die Vernetzung mit den Caritasverbänden wird intensiviert, den Kitas, dem Bildungswerk und so vielen anderen Bereichen kirchlichen Lebens.
Wir haben einen großen Schatz, den wir in dieser Vielfalt mit uns tragen. Das ist zum einen unsere Weggeschichte mit Gott in dieser Gemeinschaft der Glaubenden, zum anderen ist es die gewachsene Gemeinschaft vor Ort, die Menschen, die sie tragen und stärken, hinzukommen und beleben.
Am 1. Januar werden sicherlich alle in den Neujahrsgottesdiensten auch diesen Neuanfang ins Gebet nehmen. Ich lade ein zum Abendlob ins Münster nach Radolfzell an Neujahr um 18:30 Uhr und zu einem anschließenden Zusammensein im Friedrich-Werber-Haus.
Aber bis dahin ist die Zeit des Advents. In ihr blicken wir weiter als in unser Jetzt und das Morgen. In dieser Zeit blicken wir auf den, der vollenden wird. Das Vollenden ist nicht Sache von uns Menschen. Und wir gehen in die Festzeit der Weihnacht. Mit der Geburt Jesu beginnt eine weitere Weggeschichte. Unsere eigene. Als Gemeinschaft der Glaubenden folgen wir der Spur Jesu. Das ist eine Herausforderung und zugleich eine Erfahrung, dass wir unsere Wege nicht alleine gehen.
Eine segensreiche Zeit des Advents und der Weihnacht wünschen das pastorale Seelsorgeteam und die Mitarbeiter des Pfarrbüros.
Uns allen einen guten Anfang, wenn wir sechs dann EINS sind.
Heinz Vogel
Geistliches Wort Pfarrblatt 11/25
Identitätsverlust? In unserer globalisierten Welt wächst ständig die Gefahr, die eigene Identität zu verlieren: nicht nur auf der Ebene der Kulturen, sondern auch der Menschen. Identitätsverlust, das klingt schon nach Entfremdung („alienatio“), Gegenstand des Misstrauens und Argwohns eines Karl Marx (u. a.) gegenüber einer von Religion durchdrungenen Gesellschaft und der Religion selbst, Opium des Volkes! Marxismus als Philosophie oder/und Ideologie möchte ich hier nicht angehen; ich stelle mir nur die Frage, für heute: ist es die Religion, die den Menschen entfremdet, oder der Mangel an Religion, d. h. der Mangel an (etymologisch) Verbindung, an Bindung („Religio“) oder einfach Beziehung zu jemandem, zu anderen, wobei diese Verbindung nur möglich ist, wenn eine wahre Beziehung zu sich selbst besteht!
Beziehung zu sich selbst: die Stille
Menschen, die die Menschheitsgeschichte endgültig geprägt haben sind diejenigen, die eine gesunde Beziehung zu sich selbst pflegten. Wenn Jesus als ein Sonderfall zu betrachten wäre, denken wir an einen Menschen wie den heiligen Benedikt von Nursia, Schutzpatron Europas, das ihm viel - wenn nicht sogar seine gesamte Entwicklung und Identität - verdankt, der von seinem Biografen Gregor dem Großen im Wesentlichen beschrieben wird als jemand, der mit sich selbst lebte („qui secum vivebat“): nicht, dass er ungesellig gewesen wäre, ganz im Gegenteil, aber dass er wusste, in langer Stille zu leben (meditieren, betet) und von dort aus handelte anderen kluge Ratschläge gab.
Lärm draußen und drinnen
Heute aber ist die Stille fremd, und der Lärm zur Normalität geworden: Lärm draußen und drinnen, um uns herum und in uns. Selbst an manchem Ort, zu dem auch die Stille teilweise gehört, wird diese als „Panne“ wahrgenommen. Robert Kardinal Sarah spricht sogar von einer „Diktatur des Lärms“ (Vgl. sein Buch Kraft der Stille, 2016). Wie viele Menschen heute halten die Stille aus? Und wir wissen doch, alles was wächst, wächst in Stille: „ein fallender Baum macht mehr Lärm als ein wachsender Wald“ (Un albero che cade fa più rumore di una foresta che cresce), sagt ein italienischer Spruch, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Ohne Stille laufen wir von uns selbst davon. Somit werden wir auch – leider - zum Dialog unfähig, denn die Voraussetzung für einen echten Dialog ist weniger das Sprechen als vielmehr das Schweigen, das Zuhören, wodurch sich die Gesprächspartner immer näherkommen und selbst wenn sie sich nicht einig sind, wissen sie zumindest, in welchen Punkten sie unterschiedlicher Meinung sind. Wie kann ich das richtige Wort finden, ohne nachzudenken? Hannah Arendt geht so weit und meint: „Menschen, die nicht denken, sind wie Schlafwandler“!
Ohne Stille wird man unfähig zu Beziehungen: Beziehung zu anderen, zum „Anderen“ (beten), da keine Beziehung zu sich selbst gibt. Gibt es schlimmere Identitätsverlust oder Entfremdung?
Und wir?
Unsere Rettung als Personen und als Gemeinde(n) hängt vielleicht davon ab, wie wir mit der Stille, mit dem Lärm um uns herum und in uns umgehen. Denn es stimmt: das Gute macht keinen Lärm, und der Lärm macht nichts Gutes.
Faustin Nyombayire,
Kooperator
Geistliches Wort Pfarrblatt 10/25
Fotografieren … Ein Bild einfangen … Den Moment festhalten …
Sommer, Urlaub, Ferien?! Was war das noch mal?! Der Alltag hat uns doch längst wieder und das schon seit Wochen! Welche Erinnerungen sind uns geblieben? Wo sind eigentlich all die Fotos? Alle digital gespeichert oder ...?
Wir können überprüfen, wie alt wir sind, wenn wir uns noch an die Zeiten erinnern, als noch Filme aus Kameras und Fotoapparaten ins Foto-Fachgeschäft zum Entwickeln gebracht wurden. In den Tüten wurden wir dann nach Bezahlung an all die Schnappschüsse erinnert per 24 oder 36 Aufnahmen, denn die Anzahl der Bilder war ja je nach Film begrenzt. Damals war das so! Damals ging das nur so! Und heute …?
Wie viele Fotos sind auf Ihrem Handy oder Smartphone zu finden? Von den letzten Wochen? Aus der Ferne oder von daheim! Fotos von Sehenswürdigkeiten, Speisen und sich selbst?!
Fotos von Sehenswürdigkeiten, Speisen und … Sich selbst = Selfie!
„Kommt wir machen ein Foto! Stellt Euch mal davor!“ Alle Begleiter*innen nahmen dann begeistert oder genötigt Aufstellung vor dem Meer, dem Gebirge, der Kirche, dem Schloss, dem Schiff, dem Tier im Zoo, dem Einheimischen … und … und Cheeese! Klick! Foto im Kasten!
Wenn wir dann mal wieder alte Foto-Alben durchblättern, müssen wir feststellen, dass immer die*der Fotograf*in auf dem Bild fehlt! Klar! Damals gab es ja noch keine Selfies!
Selfie = mit der Digitalkamera (des Smartphones oder Tablets)
meist spontan aufgenommenes Selbstporträt einer oder mehrerer Personen.
Selfies … ein beliebter Trend, besonders unter jüngeren Generationen wie der Generation Z! Sie sind ein fester Bestandteil der Social-Media-Landschaft und werden genutzt, seine Persönlichkeit darzustellen, um spontan besondere Erlebnisse mitzuteilen, um Gedanken und Gefühle auszudrücken.
Psychologen sagen, wenn ältere Menschen im Lokal ihr Essen fotografieren und noch vor dem ersten Bissen ins Netz stellen und ihren Kontakten posten, dann ist das deren moderne Form der Selbstdarstellung. Junge Menschen schicken lieber Aufnahmen ihrer Person und Persönlichkeit mit Kopf und Körper in alle Welt.
Sie nutzen Selfies zur Selbstdarstellung = um ihr Selbst darzustellen und in Echtzeit mit anderen zu teilen. Selfies sind für Jugendliche ein Mittel, sich in der Gesellschaft zu präsentieren und ihre Identität im digitalen Raum zu gestalten. Und damit das, was da in Echtzeit fotografiert oder gefilmt wird, auch „echt“ wirkt, wird gerne noch etwas korrigierend nachgeholfen. Denn mit der Präsentation so ins Netz erhofft sich die Person möglichst viel Zuspruch.
Zuspruch: „Sei besiegelt mit der Gabe Gottes, den Heiligen Geist!“
Präsentation vor vollen Bankreihen! Selbst-Darstellung vor Verwandten und Freunden! Sich vor-stellen = vor die versammelte Gemeinde stellen! Einholen von Zuspruch!
Firmung 2025 überall in der „Pfarrgemeinde Neu“!
Fühle Dich bestärkt durch die Firmung, die Dich stark macht für das, was da noch kommt! Ein Selfie-Moment zum daran fest-halten! Ein Selfie mit Gott, der mich einfängt! Wenn junge Menschen dann in die Welt gehen, dann soll ihnen bewusst sein: Gott geht mit!
Gott geht mit auf ihrem Weg in immer mehr Selbst – Bewusst – Sein!
Jeder-Zeit! Jeden magischen Moment! Jeden Augenblick Klick!
Mathias Mutter, Pastoralreferent
Geistliches Wort Pfarrblatt 9/25
Die Ferienzeit neigt sich dem Ende und auch wenn der eigentliche Jahreswechsel erst zum Januar ansteht, liegt doch auch über dem September ein Hauch von Neustart, Umbruch und Aufbruch.
Für Kinder und Jugendliche beginnt ein neues Schuljahr. Aber auch so manch anderes läuft nach der Sommerpause wieder neu an.
Neubeginn: Die einen empfinden das als mühsam und anstrengend, die anderen aufregend und motivierend. Was bringt das Neue und wie wird es werden?
Im Buch der Weisheit heißt es: „Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen oder wer begreift, was der Herr will? Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was auf der Hand liegt; wer ergründet, was im Himmel ist?“ Weisheit 9,13.16
Und trotzdem, auch wenn wir längst nicht alles durchblicken und schon gar nicht vorhersehen können, planen und gestalten wir. Es liegt an uns das Leben in die Hand zu nehmen und mitzugestalten. Egal was wir tun, alles hat eine Wirkung. Selbst wenn wir nichts tun, wirkt sich das aus. Jeder ist dazu bestimmt mitzuwirken, seinen Platz im Gefüge von Himmel und Erde zu finden und auszufüllen (siehe Genesis 2,15).
Auch auf dem Weg zur „Kirchenentwicklung 2030“ wird weiter gestaltet. Anstelle des bisher bekannten Pfarrgemeinderats wird am 19. Oktober nun ein Pfarreirat gewählt, der für das ganze Gebiet der neuen Kirchengemeinde Bodensee-Hegau zuständig ist. Der Pfarreirat wird zusammen mit der Leitung der Pfarrei über die Ziele und Schwerpunkte der pastoralen Arbeit entscheiden. Dabei wird immer wieder abgewogen werden müssen: Was hat sich bewährt, was kann einfach weitergeführt werden und was braucht es damit Neues entstehen kann?
Leben ist Bewegung. Immer wieder neu starten, einfach laufen lassen, gegensteuern oder die Bremse ziehen, ganz egal wie: Jeder wirkt mit.
Franziska Shumba, Gemeindereferentin
Geistliches Wort Pfarrblatt 8/25
„Ihr seid das Salz der Erde!“ – „Ihr seid das Licht der Welt!“zu Matthäus 5,13
Wie oft haben wir diese Stelle aus der Bibel wohl bereits gehört! - Haben auch oft gehört, dass nicht nur die Suppe ohne Salz sprichwörtlich fade schmeckt, sondern auch, dass es sogar wissenschaftlich erwiesen ist, dass wir ohne unsere verschiedenen Salzspuren im Körper, die regelmäßig Nachschub brauchen, krank werden und sogar sterben. Ohne Salze geht es einfach nicht!
Wir gewinnen unser Natriumchlorid als „Fleur de Sel“: „Blume des Meeres“, aus Meerwasser – gespeichert in Ozeanen, Salzseen oder Bergwerken, und verwenden es auf die vielfältigste Weise: Zum Würzen allgemein und in der Kombination von Gegensätzen in kulinarischen Genüssen, wie zum Beispiel Salzkaramell. Wir profitieren von seiner Gabe Stoffe aus unmittelbarer Umgebung aufzunehmen und sich in Farbe und Geschmack zu verändern. Oder wir nutzen es als Möglichkeit Speisen und Feuer zu konservieren, als Riechsalz, Auftausalz und zum Reinigen von Spülmaschinen. Und auch Bildhauer schaffen wunderschöne Kunstwerke aus Salz, die denen aus der Natur um nichts nachstehen.
Chemisch betrachtet bestehen Salze aus elektrisch positiv geladenen Kationen und negativ geladenen Anionen, die als Feststoff oder Flüssigkeit hauptsächlich deshalb zusammenhalten, weil sie sich in ionischer Bindungelektrostatisch anziehen.
Wenn also Jesus Christus uns alle, wie wir hier sind, als „Salz der Erde“ bezeichnet, dann müsste alles, was für das Salz gilt, auch für uns gelten: Dann werden wir alle, die diesen Satz ernst nehmen möchten: Aus demselben Stoff gewonnen, durch den gemeinsamen Glauben elektrisiert und zusammengehalten - egal ob wir gerade positiv oder negativ geladen sind - dann passen wir uns in Farbe und Geschmack ein wenig an unsere Umgebung an, ohne uns selbst zu verlieren, sind grundsätzlich würzig, vielfach verwendbar und - absolut notwendig zum Leben.
Eine weitere Eigenschaft des Salzes, die wir uns zu eigen machen dürfen, ist seine Lichtdurchlässigkeit. So dürfen wir auf Gott hin durchlässig sein. - Und bei der strahlenden Herrlichkeit Gottes, ist es ja vielleicht auch gar nicht so schlecht, wenn sie für das Hier und Jetzt durch uns etwas „gedämpfter“ weitergegeben wird. Denn in seiner ganzen Pracht könnten wir sein ewiges Licht in Zeit und Raum ja gar nicht ertragen, weil es einfach zu überwältigend für uns wäre.
Sicher dürfen wir sein, dass, wenn Gottes Licht auf uns und in uns fällt, auch wir in all unseren Farben und mit all unseren Facetten aufstrahlen, vielleicht heller und bunter, als wir es uns selber zugetraut hätten.
Mit Pace e Bene (Frieden und Gutes)
Christina Wöhrle, Katholische Pastoralreferentin
Geistliches Wort Pfarrblatt 7/25
Ausblick und Weitblick … Pilger der Hoffnung
Für uns in Radolfzell steht das Hausherrenfest an. Das HEILIGE JAHR 2025 mit seinem Motto prägt das kirchliche Fest: Pilger der Hoffnung.
Was gerade in der Welt abgeht, lässt wenig Hoffnung aufkommen, dass es besser wird. In jeder Feier der Eucharistie steht am Anfang der Fürbitten bei mir das Gebet für den Frieden. Wie lange schon? Ich weiß manchmal nicht, ob ich die Kriegsgebiete mit in die Bitten schreiben soll, weil ich nicht alle im Blick habe. Es gibt mehr, als die, die wir wahrnehmen oder über die berichtet wird. Beten ist das Eine und dabei den Menschen den Frieden zuzudenken, das Andere. Es ist eine Art, dem Gefühl der Ohnmacht, den zerstörerischen Kräften, Hass, Gewalt, Feindschaft, Neid, … zu begegnen, sich zu stellen, die Hoffnung nicht aufzugeben …
Pilger der Hoffnung – sind wir im Grunde überall als jene, die der Spur Jesu folgen wollen. Pilger der Hoffnung haben nicht eine Brille auf, die alles in ein angenehmes Licht taucht und wegblendet, was nicht schön ist. Heile Welt gibt es nicht. Pilger der Hoffnung ziehen ihre Wege im Bewusstsein, dass es nicht die heile Welt gibt. Und schon gar nicht den perfekten Menschen. Niemand ist perfekt, fehlerfrei, vollkommen … Doch die Pilger der Hoffnung tragen in sich eine Ahnung, wie Leben gelingen kann, wie Menschsein glücken kann … Pilger der Hoffnung, irren nicht umher. Sie wissen, um ein Ziel … Die Bilder der Schrift sind da so bunt und vielfältig, dass sie sich in unserer Sprache im Wort „Himmel“ sammeln. Hoffnung ist wie so ein Himmel in uns, der das Innere weitet und uns weit sehen lässt aus der Enge, Aussichtslosigkeit heraus. Es gibt nicht die heile Welt. Es gibt die geheilte Welt.
Pilger der Hoffnung. Unser Hausherrenfest in diesem Jahr.
Zugleich sind wir unterwegs auf die neue Struktur von Pfarrei und Kirche vor Ort. Wir werden uns anders organisieren. Die ganze Diözese wird anders organisiert ab 01.01.2026. Ein großer Schritt weiter auf diesem Weg ist die Pfarreiratswahl im Oktober 2025. Es braucht Menschen, die kandidieren, die anpacken und Lust haben, sich um gute Bedingungen für die einzelnen Orte und Gemeinschaften in dem Gebiet der Pfarrei zu sorgen. Menschen, die Lust haben weiter zu denken und dran zu bleiben.
Informationen finden Sie auf der Homepage von https://kath-bodensee-hegau.de/ oder besonders auf der diözesanen Seite https://pfarreiratswahl.ebfr.de/
In dieser Veränderung zeigt sich, wie wir als Pilger der Hoffnung unterwegs sind, wo wir leben. Und wir werden als katholische Kirche nicht ohne all die anderen Kirchen Gemeinschaften unterwegs sein. Ohne Ökumene geht nichts … und ohne inter- religiösen Dialog auch nicht. Das ermutigt und fordert auch immer heraus, weil wir lernend unterwegs sind und einander so viel zu geben haben an Wegerfahrungen, an Mut … an Glaubenskraft.
Ich wünsche uns eine segensreiche Zeit und ein gutes Unterwegssein als Pilger der Hoffnung.
Heinz Vogel
Geistliches Wort Pfarrblatt 6/2025
Plädoyer für einen barmherzigen Gott
Die letzten Stunden der Nacht waren für Anne doch erholsam. Sie hatte sich am Abend neben ihrem Kleinen hingelegt und wurde immer wieder von seinem Stöhnen geweckt. Ihr Sohn hatte Bauchschmerzen.
Jetzt, bei ihrem Morgenkaffee, hat Anne noch kurz Zeit über die letzte Nacht nachzudenken. „Komisch“, flüstert sie vor sich hin… Bei jedem Aufwachen hatte sie verschiedene Flashbacks, Szenen aus ihrer Kindheit und Jugendzeit. In Erinnerung kam ihr erst ihre Oma; mit ihrem ständig wiederholten Satz: „Wir müssen unser Kreuz tragen!“ Danach ihre Mama, die bei jeder Gelegenheit betonte, dass man alles - sogar das Leid - aus Gottes Händen annehmen muss. Wer wisse, warum Er es uns zuschickt. Dafür habe Gott bestimmt einen guten Grund …
Anne trinkt noch einen Schluck Kaffee. Umgeben vom Duft des guten Getränkes fliegen ihre Gedanken in ihre Vergangenheit. Als sie ihre Firmvorbereitung machte – „Oh Gott, wann ist das gewesen, schon 20 Jahre her …?“ -, hatte ihr am besten ein Vers aus der Bibel gefallen: „Gott schuf den Menschen als sein Abbild“. Wie froh und stolz war sie damals bei der Feststellung, dass auch sie, obwohl nicht so brillant wie manche ihrer Freundinnen, als Abbild Gottes geschaffen wurde.
Gestern Nacht, beim Anschauen ihres kranken Sohns, wünschte sich Anne, die Schmerzen des Kleinen auf sich nehmen zu können. Sich ohnmächtig vor seinem Leid zu fühlen wurmte sie. Wie froh ist sie gewesen, als die Schmerzen nachließen und der Kleine schlafen konnte.
„Moment mal“, überlegt sich Anne, „wenn ich ein Abbild Gottes bin und so etwas empfinde, wie können manche behaupten, dass Gott uns das Leid schicken würde …? Nein, das kann nicht sein. Wenn ich, so begrenzt und weit entfernt von der Perfektion wie ich bin, es mir nicht vorstellen kann, meinem Kind was Schlimmes anzutun, dann umso mehr Gott: Er kann nicht unser Vater sein und gleichzeitig uns Leid und Schmerzen schicken.“
Anne schaut nochmal kurz nach ihrem Sohn. Er schläft noch, seine Atmung ist ruhig. Mit diesem Bild vor ihren Augen und durch ihre neu gewonnene Erkenntnis über Gott startet Anne munter in den Tag.
PS: Ich wünsche Ihnen tiefe Einblicke in die Wirklichkeit der Barmherzigkeit Gottes.
Lucian Farcaş, Pastoralassistent
Geistliches Wort zum Pfarrblatt 4/2025
„Gemeinsam Träumen - Liebe sei Tat“ - 50 Jahre Fastentuch
Seit 1975 gibt es für die österliche Fastenzeit alle zwei Jahre vom katholischen Hilfswerk Misereor ein neues Hungertuch. In diesem Jahre hat die Erfurter Künstlerin Konstanze Trommer dieses 25. Tuch mit dem oben genannten Titel gestaltet. Dieses aktuell neue Fastentuch spricht mich sehr an, ich empfinde es als spannend und gelungen. Darum möchte ich gerne einladen, es sich bewusst noch vor Ostern in St. Meinrad anzuschauen.
Als allererster Eindruck eine Insel. Umgeben von blauem Meer und dazu spielende Kinder, eine echte Urlaubsidylle. Auf den zweiten Blick sind dann aber Brüche, Herausforderungen erkennbar. Ein kahler Sandstreifen ist das, kein Sehnsuchtsort, schon gar nicht kindertauglich. Eine offensichtlich bedrohte, winzige Sandbank im Nirgendwo. Paradies und Apokalypse auf kleinstem Raum. Und dann der Titel des Bildes: „Gemeinsam Träumen – Liebe sei Tat“. Ist das auf dem Bild gezeigte Miteinander nur ein Wunschtraum? Welche Art von Liebe soll der Helikopter am Himmel symbolisieren? Ist der Pilot nur gleichgültiger, selbstverliebter Beobachter oder ein zu Hilfe eilender Retter?
Die Frage nach der Bedeutung des Zeltes in der Mitte, halbseitig versehen mit einem Goldrand, führt weiter. In jeder unserer Kirchen steht ja ein „Tabernakel“, das lateinische Wort für „Zelt“: „Seht, das Zelt Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.“ (Offb 21,3). Darauf weisen auch die drei goldenen Streifen hin. Wenn man zwischen den beiden am linken und rechten Bildrand eine horizontale Linie zieht, und ausgehend vom goldenen Streifen am oberen Bildrand eine Linie senkrecht nach unten, dann ergibt sich ein Kreuz mit der Mitte direkt im Eingang des Zeltes. Um das Zelt herum darf also alles sein, ausgelassene Freude wie auch sorgenvolle Nachdenklichkeit.
In der Ungewissheit, Bedrohtheit, Zerbrechlichkeit dieser Welt und unseres Lebens ist Gott anwesend. So deute ich für mich dieses fastenzeitliche Hungertuch zugleich als „Ostertuch“: Auch in der österlichen Auferstehung Jesu passieren Apokalypse und Paradies auf kleinstem Raum.
Eine gesegnete Fasten- und Osterzeit wünscht Ihnen im Namen des ganzen Seelsorgeteams
Clemens Trefs, Pastoralreferent
Geistliches Wort zum Pfarrblatt 3/2025
Am Aschermittwoch ist alles vorbei, die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei!
Lügen haben kurze Beine! Ehrlich währt am längsten?!
Ein Politiker kommt ans Himmelstor. Petrus empfängt ihn und erklärt: "Du hast die Wahl zwischen Himmel und Hölle. Im Himmel wirst du einen Tag verbringen und auch in der Hölle einen, dann musst du dich entscheiden."
Der Politiker besucht zuerst den Himmel und stellt fest: Aha! Dort sitzt man den ganzen Tag auf einer Wolke, spielt Harfe und singt Hosianna.
Am nächsten Tag gastiert er in der Hölle. Der Teufel empfängt ihn und lädt zum Feiern ein. Überall stimmungsvolle Party, tolle Buffets, coole Drinks. Es wird getanzt und gelacht. Alle in Feierlaune Tag für Tag, Nacht für Nacht! Viele ehemalige Präsidenten, Staatsmänner, Partei-Freunde, Funktionäre treffen sich wieder.
Am nächsten Morgen fragt ihn Petrus nach seiner Wahl. Der Politiker überlegt nicht lange, entscheidet sich klar für die Hölle. Da war ja mehr los! Schon steht er vorm Hölleneingang. Die Pforte wird aufgerissen, fröhlich schreitet er hindurch und erschrickt. Es ist höllisch heiß, alle Höllenbewohner sind nackt oder nur in Lumpen gekleidet. An Ketten gefesselt gibt es für sie nur lauwarmes Wasser und trockene Brotkanten.
Der Politiker ist vollkommen irritiert: "Hallo Herr Teufel! Gestern herrschte hier Jubel, Trubel, Heiterkeit. Was hat das denn nun bitte zu bedeuten?" Darauf antwortet der Teufel: "He hallo! Sie kennen das doch nur zu gut! Gestern war vor der Wahl und ab heute ist nach der Wahl!“
Nach der Wahl wird deutlich, was von den vielen Versprechen vor der Wahl übrigbleibt. Falschaussagen, Desinformation, Wahlkampf-Lügen sind schnell enttarnt. Fake-News! Hate-Speech! Mobbing! Üble Nachrede! Verleumdung! Nur in der Politik? Auch im öffentlichen Raum sind Lügen total im Trend. Eine extrem gefährliche Entwicklung! Lügen gibt es so lange, wie der Mensch sprechen kann. Wir lügen aus unterschiedlichen Gründen, weil wir uns schämen, weil wir feige sind oder … weil wir höflich sein wollen. „Das schmeckt aber gut!“ „Gut siehst Du aus!“ „Super!“ Gelogen wird in allen Lebenslagen wie in Liebesdingen, in Freizeit und Beruf, in der Kirche!
Studie: In einem zehnminütigen Gespräch mit einem Fremden lügen wir zwei- bis dreimal! Wir tun dies mit Vorsatz, weil wir bei anderen einen positiven Eindruck hinterlassen wollen. Einladung zur Selbst-Studie: Wie ehrlich bin ich Tag für Tag unterwegs?
Mal ehrlich! Wie ehrlich bin ich als Mensch, als Christ in der Nachfolge Christi, der sagt:
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Kinder und Narren sagen die Wahrheit! Und Christen?
Matthias Mutter, Pastoralreferent
Geistliches Wort zum Pfarrblatt 2/2025
Liebe Gemeinde!
Pilgern ist wieder modern geworden. Ob als Schneeschuhtour im Winter oder auf einemder klassischen Pilgerwege im Sommer, es zieht die Menschen wieder vermehrt nach draußen in die freie Natur. Viele sehnen sich danach, einfach da zu sein, weg von den unzähligen Informationen und Neuigkeiten, die da tagtäglich auf uns einprasselt, weg von ständiger Erreichbarkeit und hin zu dem schlichten Tagesablauf einer Pilgertour, wo ich nur gehen und nichts leisten muss. Auf eine Pilger-Wanderung kann und sollte zudem niemand zu viel mitnehmen, damit der Rucksack nicht zu schwer wird. Und auf einmal merken wir, mit wie wenig man doch einen Tag lang gut und zufrieden unterwegssein kann. Eine weitere Erfahrung beim Pilgern ist die Weggemeinschaft, die dort entsteht,wo Menschen ein Stück Weg miteinander gehen, sich über Gott und die Welt austauschen.
In der Bibel finden wir dazu zahlreiche Schriftstellen, in denen von Aufbrechen undUnterwegs-Sein die Rede ist. Denken wir nur an die Urerfahrung des Volkes Israel, dass aufbricht und erfährt wie Gott sie durch die Wüste begleitet. Oder an Jesus, der sich mit seinen Jüngern eben nicht an einem Ort fest eingerichtet hat, sondern alle ermutigt, immer wieder den Staub von den Schuhen zu schütteln und weiterzuziehen.
Die ersten Christen werden abgrenzend vom jüdischen Glauben „Anhänger des neuen Weges“ genannt (Apg 22,4). Dabei geht es nicht unbedingt um das konkrete Unterwegs-sein. Eigene Wege gehen, Aufbrüche wagen, durch das finstere Tal wandern, all das kann auch innere Bilder und Entwicklungen in uns beschreiben.
Und so möchte ich Sie zu Beginn dieses neuen Jahres ermutigen, nicht stehen zu bleiben.
Wage es, immer wieder neu aufzubrechen! Geh los und sei unterwegs mit ganzem Herzen, mit Leib und Seele. Öffne dich täglich neu für all die kleinen Wunder in der Natur, für neue unerwartete Begegnungen. Sei dankbar und aufmerksam für all die Stolpersteine und unerwarteten Erfahrungen über die du unterwegs stolperst. Geh langsam, Schritt für Schritt, dass du Zeit hast all das loszulassen, was du zu viel mit dir herumschleppst. Brich täglich neu auf und du wirst verändert ankommen!
Viel Gelassenheit auf den weiteren Wegen wünscht Ihnen
Sigrid Billi (Gemeindereferentin)
Geistliches Wort zum Pfarrblatt 1/2025
Mehr Schaukel!
Eine Gefahr im Januar: Die, hoffentlich frohe, Zuversicht für das gerade beginnende Jahr geht viel zu schnell in einen eintönigen Alltagtrott über, samt beklagter, ungewisser Zukunft. Dagegen hilft kein Gejammer, sondern christliche Gelassenheit. Schauen wir also auf Prokulus, den schaukelnden Bischof:
In der Kirche St. Prokulus bei Naturns im Vinschgau gibt es ein Fresko, an dem fast Alles unsicher oder ungewiss ist:
Stellt die Figur den aus Damaskus fliehenden Apostel Paulus oder doch Prokulus, den vierten Bischof von Verona dar? (Nebenbei: Zeno war der achte Bischof von Verona.) Auch die Entstehungszeit der Fresken kann nur ungefähr angegeben werden, irgendwann zwischen 700 und 1000 n.Chr. Und es ist auch nicht klar, ob es doch mehrere Heilige mit diesem Namen gab. Einmal soll Prokulus vor der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian im Jahre 303 auf der Flucht aus Verona über die Stadtmauer abgeseilt worden sein. Ein andermal soll er gefangen genommen worden sein. Weil er aber versicherte, freiwillig und gerne sterben zu wollen, wurde er als Wahnsinniger aus der Stadt vertrieben.
Zu all dem Ungewissen und Mehrdeutigen kommt noch die Darstellung des Schauklers hinzu. Warum hält sich der Heilige nicht am Seil fest? Konnte der unbekannte Künstler einfach nicht gut genug zeichnen? Oder hat er die Hände bewusst so gemalt…
Versuchen wir mit dem fröhlich lächelnden Heiligen Prokulus durch das neue, ungewisse Jahr 2025 zu schaukeln. Versuchen wir, im Vertrauen auf Gottes Beistand, uns mutig und gelassen nicht zu sehr an irdischen Seilen festhalten zu wollen. Versuchen wir aufmerksam zu bleiben für ständig neue Blickrichtungen, wie sie sich ja automatisch beim Schaukeln ergeben.